Walter Benjamin erklärt uns Rock'nRoll, Punk, Hip Hop, etc., anno 1929:

Das Chanson, wie es vom Montmartre zu uns heruntergekommen ist, war ein Feuer, an dem der Bohemien sich den Rücken wärmte, jederzeit bereit, einen Scheit zu ergreifen und ihn als Brandfackel in die Palais zu schleudern. Weil aber der Arme alles Verkaufen muß, so mußte er's auch dulden, daß der Reiche sich Zutritt zu seinem Asyl erzwang und sich's bei einem Feuer gemütlich machte, das darauf brannte, ihn zu verzehren.
Walter Benjamin: »Gebrauchslyrik? Aber nicht so!« In: Gesammelte Schriften, Band III. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1991, S. 183.


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Frenesi and the Pisks had taken over of what was left of the Death to the Pig Nihilist Film Kollective, based in Berkeley, a doomed attempt to live out the metaphor of movie camera as a weapon. The stands, Movieola, hydraulic camera mount, fridgeful of ECO, and, at first anyway, a rump of the Kollective's more stubborn personnel, who had put some of the language of their old manifesto into 24fps's new one – »A camera is a gun. An image taken is a death performed. Images put together are the substructure of an afterlife and a Judgment. We will be architects of a just Hell for the fascist pig. Death to everything that oinks!« – which for many was going too far, including Mirage, on her feet to insist that pigs are really groovy, in fact far groovier than any humans their name ever gets applied to.
Thomas Pynchon: Vineland. London: Vintage, 2000.


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Herr Pynchon pitcht sein neues Buch auf Amazon:

Meanwhile, the author is up to his usual business. Characters stop what they're doing to sing what are for the most part stupid songs. Strange sexual practices take place. Obscure languages are spoken, not always idiomatically. Contrary-to-the-fact occurrences occur. If it is not the world, it is what the world might be with a minor adjustment or two. According to some, this is one of the main purposes of fiction. Let the reader decide, let the reader beware; Good luck - Thomas Pynchon
Das wird wahrscheinlich das erste Mal sein, daß ich diesen pre-order-Quatsch mitmache. Bleibt nur noch zu klären, ob Jonathan Cape oder Penguin. Aber so schönde Cover wie bei den Pynchon-Titeln in der Paperback-Ausgabe von Vintage wird es wohl nicht geben.


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Aus der Abteilng "yeah, you know, but I prefer their early stuff":

[...] wer weiss heute noch etwas von Philipp Keller, dessen "Gemischte Gefühle" eines der lesbarsten Bücher vom Jahre 1913 geblieben sind; wer erinnert sich der Doktordissertation von Franz Blei über den Philosophen Avenarius, die dem Verfasser eine Erwähnung durch Lenin eintrug; wer kennt noch Döblins "Ermordung einer Butterblume", Polgars "Quell des Übels", Eisenlohrs "Kriminal-Sonette" - Bücher, die ebensoviele Nachschlüssel zur Rumpelkammer zeitgenössischer Literatur sind, in der man die schönsten, lehrreichsten Nächte verbringen kann.
[ Walter Benjamin: Für arme Sammler. In: Gesammelte Schriften, Band IV.1, S. 600 ]


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Tatsächlich war Luis Trenker, der die sehnige Leni für Doktor Arnold Franck hatte küssen müssen und bald selbst ganz ähnliche Bergfilme zu drehen begann, während die untote Riefenstahl, so Vivian, noch bis vor kurzem auf virilistisch heroisierten Rassekörpern herumzoomte, ein blutsverwandter Ahne Giorgio Moroders gewesen, welcher mit seinen stimulierend repetitiven Münchner Disco-Entwürfen der siebziger Jahre so mancher schwulen nicht nur Zimmerparty zu unvergeßlichen Höhepunkten verholfen hatte.
Thomas Meinecke: Tomboy. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1998.


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...und wir beenden die Winterpause mit einem Gedicht aus der Nonsens-Vers-Sammlung »Urwaldgeister« von Walter Benjamin und Fritz Heinle:

DER KRAWALL

Blutvergießen Spatzenschießen
Hingeschmissen zarte Bissen
Wie die Pickelhaube blinkt
Bleiche Leiche glaubt und singt


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Benjamins Passagen-Werk als Ur-Blog. Perfekte Metro- und Buslektüre, darüberhinaus.

[ Alter Hut, ich weiß, aber trotzdem. ]


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Und wie jener Golem zu einem Lehmbild in derselben Sekunde erstarrte, in der die geheime Silbe des Lebens aus seinem Munde genommen ward, so müssten auch, dünkt mich, alle diese Menschen entseelt in einem Augenblick zusammenfallen, löschte man irgendeinen winzigen Begriff, ein nebensächliches Streben, vielleicht eine zwecklose Gewohnheit bei dem einen, bei einem anderen gar nur ein dumpfes Warten auf etwas gänzlich Unbestimmtes, Haltloses - in ihrem Hirn aus.
Gustav Meyrink: Der Golem. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2004.


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Sein Kopf dreht sich von der Wand weg, auf dem Boden liegt ein Brei, eine Lache. –Gekotzt. Muß ich gewesen sein. Was ein Mensch in seinem Magen mit sich rumträgt. Puh.
Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz. Düsseldorf und Zürich: Artemis & Winkler, 2003.


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[...] une autre histoire, la Grande, l'Histoire avec sa grande hache, avait déjà réponu à ma place: la guerre, les camps.
Georges Perec, W ou le souvenir d'enfance. Paris: Éditions Denoël, 1975.


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